Die Meeresbrise weht mir ins Gesicht, leise höre ich die Wellen, die in unregelmässigem, beruhigendem Abstand immer wieder Steine an den Strand spülen. Wie herrlich, endlich Sommerferien! Die Zeit davor war streng, wie immer, alles ist irgendwie unter einen Hut zu bringen. Schulabschlussfeier, WM-Spiele, Politik, Wäsche, Arbeit, neue Stundenpläne, neue Klasseneinteilung, dann endlich Packen.

Die Feier zum Jubiläum «50 Jahre Frauenstimmrecht Baselland» ist noch nicht so lange her, das Thema lässt mich nicht ganz los. Immerhin waren «wir» im Kanton etwas schneller als auf nationaler Ebene, ganze 3 Jahre. Womit haben die Frauen wohl ihren Männern gedroht, sollten sie nicht zustimmen? Oder waren vielleicht gar nicht alle Frauen für das Recht, wählen und abstimmen gehen zu können? Wäre möglich – obwohl völlig unvorstellbar für mich. Aber ganz nüchtern betrachtet, sind die Wahl- und Abstimmungsbeteiligungen in einem so tiefen Prozentbereich, dass ich mich manchmal fremdschäme dafür. Wie kann es sein, dass man resp. Frau nicht mitbestimmen will? Zugegeben, die Vorlagen sind manchmal kompliziert und auch anspruchsvoll, aber immer haben sie einen Einfluss auf unsere Zukunft. Also wie kann es sein, dass nicht alle über ihre Zukunft mitbestimmen wollen? Zu erwähnen ist hier natürlich auch, dass ein beachtlicher Teil der Bevölkerung ja gar nicht abstimmen gehen kann, da sie das Schweizer Bürgerrecht nicht haben oder noch nicht volljährig sind.

Ich will hiermit also alle ermutigen und auffordern, unbedingt von ihrem Recht auf Mitbestimmung Gebrauch zu machen! Es ist ein grosses Privileg, welches wir in der Schweiz haben, also nutzt es!

Aber ich bin abgeschweift von meinem ursprünglichen Thema, dem Frauenstimmrecht. Die Feier in Augusta Raurica war vergleichsweise bescheiden, die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ebenfalls. Ein Indiz für den Stellenwert des Themas Gleichberechtigung?

Aber wir sind auf einem guten Weg. Während ich an meinem Beitrag schreibe, wird ein längst überfälliges Gesetz problemlos in die Tat umgesetzt. Das Gesetz, wonach Lohngleichheit endlich für alle gilt, da die Firmen die Löhne offenlegen. Frauen sind in Führungsetagen zur Hälfte vertreten. Kinderbetreuung wird anteilmässig hälftig aufgeteilt zwischen Männern und Frauen. Niedriglohnberufe, in welchen hauptsächlich Frauen (Teilzeit) arbeiten, werden besser entlöhnt (finanziert durch einen Teil der konstanten Steuereinnahmen, die dank der Nicht-Einführung der Steuerreform stabil geblieben sind). Männer werden aufgefordert, nicht mehr Vollzeit zu arbeiten. Nein, auch Kaderberufe können ganz selbstverständlich als Teilzeitarbeit ausgeführt werden. Wie toll, dass wir das endlich erreicht haben!

Jemand tröpfelt mir Wasser ins Gesicht und erschreckt wache ich auf. Wie schade, diesen schönen Traum hätte ich gerne weiter geträumt. Na gut (oder eben nicht) – ich werde mich weiterhin wenn immer möglich dafür einsetzen, dass die Wirklichkeit meinen Idealvorstellungen näherkommt.

27. Jul 2018