Der Landrat hat am 24. September den Bildungsbericht Kanton Basel-Landschaft 2019 einstimmig zur Kenntnis genommen. Leider konnte keine Eintretensdebatte geführt werden. Die Abstimmung dazu scheiterte wegen den Nein-Stimmen aus der SVP und der FDP knapp am qualifizierten Mehr. Eine Debatte hätte sich durchaus gelohnt, weil der Bildungsbericht in seiner vierten Ausgabe seit 2007 von hoher Qualität ist und zahlreiche bedenkenswerte Fakten aufzeigt. Immerhin scheinen im Gegensatz zu früheren Ausgaben die politisch Verantwortlichen auf kantonaler Ebene durchaus bereit zu sein, die notwendigen Konsequenzen aus dem Bericht zu ziehen und verschiedene Massnahmen unter dem Titel „Bildungserfolg für alle“ umzusetzen.

Der Bericht zeigt vielfältig und in die Tiefe gehend Erfolge und Schwierigkeiten auf. Positiv kann vermerkt werden, dass die meisten Neuerungen im Rahmen der Bildungsharmonisierung weitgehend erfolgreich umgesetzt sind. Damit kann endlich wieder Ruhe und Sicherheit in die Schulen einkehren, welche hoffentlich nicht erneut durch unsinnige Vorstösse und Initiativen zerstört werden. Erfolgreich ist unser Kanton auch in der dualen Bildung, welche viele anspruchsvolle berufliche Ausbildungen möglich macht. Die schweizweit sehr hohen Abschlussquoten in der dualen und der vollschulischen Bildung und an den Hochschulen stellt unseren Schulen und den Betrieben ein sehr gutes Zeugnis aus. Dafür, dass in unserem Kanton so viele junge Menschen ihre Ausbildungen erfolgreich abschliessen können, sei den Verantwortlichen an dieser Stelle ganz herzlich gedankt!

Aufgeschreckt durch die nur schwer zu erklärenden schlechten Resultate bei der Überprüfung der Grundkompetenzen in der Volksschule beleuchtet der Bericht Handlungsfelder für die Gegenwart und die Zukunft. Erlaubt seien dazu Fragen: Wie ernst nehmen Schülerinnen und Schüler, welche in einem stark selektiven System zur Schule gehen, Checks ohne Noten? Kann es sein, dass die Resultate so schlecht sind, weil die Checks eben keine Zeugnisrelevanz haben? Ein wichtiges Handlungsfeld ist die frühe vorschulische Sprachförderung. Der Bericht zeigt deutlich auf, dass junge Menschen, vor allem viele junge Männer, welche eine andere Muttersprache als Deutsch sprechen, spätestens nach der obligatorischen Schule grosse Schwierigkeiten haben und zu den Bildungsverlierern gehören. Wir müssen die sprachlichen Kompetenzen dieser Menschen früher und stärker fördern. Wir müssen die Betroffenen aber auch stärker in die Pflicht nehmen und auch Forderungen stellen.

Da der Bericht stark auf Themen der Ausbildung in der Laufbahn fokussiert, bleiben Themen der humanistischen Bildung im Bericht zweitrangig. Die grosse Bedeutung von Geschichte, politischer Bildung, Ethik, Sport und musischen Fächern darf nicht vergessen werden. Diese tragen dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler zu selbstbestimmten und verantwortungsvollen jungen Menschen werden. Wer weiss, vielleicht legt der Bildungsbericht 2023 diesbezüglich auch einen Schwerpunkt?

13. Okt 2020